Prachtfinkenzucht Heibges

Schlupf und Nestlingszeit

Die Nestlinge schlüpfen nach 11-12 Tagen. Die Küken sind dunkelhäutig und mit langen hellen Flaumfederchen auf Kopf und Rücken besetzt. Mit den blauweißen großen Papillen am Schnabelansatz und schwarzen Punkten im Rachen haben die Küken bei Schlupf eine wirklich beeindruckende Rachenzeichnung.
Nach einer kurzen Erholungsphase von ca. 1-2 Stunden fangen die Küken schon an zu sperren. Die Nestlinge entwickeln sich extrem schnell und werden von den Eltern nur 5-7 Tage lang nach Schlupf gehudert.
Ich beringe die Vögelchen mit 2,0/2,2 mm Aluringen in Alter von 7 Tagen. Nach einer Nestlingszeit von 14-15 Tagen fliegen die Jungvögel aus. Die Kopffedern des Jugendgefieders haben sich dann noch nicht ganz entfaltet. Die Jungvögel brauchen etwa einen halben Tag bis sie relativ gut fliegen können und sitzen schon am nächsten Tag recht sicher auf der Stange bei den Alttieren.
Haben die Jungvögel das Nest verlassen, gehen sie nicht mehr in das Nest zurück und schlafen auf der Stange. Etwa 25-30 Tage nach Ausfliegen sind auch die Schwanzfedern auf beachtliche Länge gewachsen. Die Junghähne sind früh schon an einem dunklen Kehlfleck zu erkennen.

 

Tag 1, die Küken sind bei Schlupf schon recht groß

 

Tag 1, wenige Stunden nach Schlupf sperren die Küken schon

 

2. Tag, Größenzunahme

 

3.Tag, Größenzunahme und dunklere Hautfarbe

 

 4. Tag, Federbildung in den Flügeln wird deutlich durch dunkle Bereiche unter der Haut

 

5. Tag, die Schwungfedern durchbrechen die Haut, an der Armschwinge zuerst

 

6. Tag, Längenwachstum der Schwungfedern

 

7. Tag, Federkiele auf der Rückenpartie treten hervor

 

8. Tag, Beringung, Federkiele der Schwanzfedern treten hervor

 

9. Tag, Federfahnen an Armschwingen und Rückenpartie entfalten sich an der Spitze

 

10. Tag, Federkiele weiterer Konturfedern an Kopf, Rücken und Flanke treten aus der Haut

 

11. Tag, die Federfahnen der Schwanzfedern entfalten sich und die Rotfärbung wird sichtbar

 

12. Tag, 2/3 der Federschafte entfaltet

 

13. Tag, Schwungfedern fast vollständig entfaltet

 

14. Tag, Ausfliegen des ersten Nestlings

 

15. Tag

 

17. Tag, Längenwachstum der Schwanzfedern

 

24. Tag, das volle Jugendgefieder ist ausgewachsen und die jungen Amaranten sind selbstständig

 

 

 

Deutlicher Geschlechtsdimorphismus ist schon im Alter von 15 Tagen bei Jungvögeln des Weinroten Amaranten sichtbar.
Der Hahn hat einen dunklen Kehlfleck, ist farbintensiver mit höheren Rotanteil im Jungendgefieder.

 

 

 


Jugendzeit

Der Verlust des rotbraunen Jugendgefieders und das allmähliche Umfärben der Jungtiere (höhere Farbintensität, dunkles Kopfgefieder beim Hahn, weiße Pünktchen an den Flanken, weinrotes Bauchgefieder) schreitet kaum sichtbar über die nächsten 1-2 Monate voran. Mit 6 Monaten hat der Weinrote Amarant auch seine volle Körpergröße erreicht.
In dieser Zeit hört man immer häufiger die Gesangsübungen der jungen Hähne. Nach meinen Beobachtungen wird der Gesang vor allem in der Jungendzeit erlernt. Vögel anderer Blutlinien können im Gesang, in der Klangfarbe und der Tonfolge deutlich voneinander abweichen.
Die Geschlechterverteilung war bei meinen Zuchtpaaren immer eher zugunsten von Hennen bei mehreren Bruten in einem Jahr. Von meinen Zuchtfreunden wurde berichtet, dass dies bei Ihnen oft genau umgekehrt zu beobachten war und deutlich mehr Hähne schlüpfen als Hennen. Tendenziell konnte ich beobachten, dass in den ersten Bruten mehr Hähne aus dem ersten Gelege schlüpfen und bei den Folgebruten sich das Verhältnis nahezu umkehrt.
Diesen Verlauf habe ich auch bei vielen anderen Prachtfinkenarten bestätigen können. Nur manchmal in umgekehrter Reihenfolge. Lässt man einem Zuchtpaar freien Lauf in der Familiengestaltung bei guter ausgewogener Ernährung ist das Geschlechterverhältnis über die gesamte Zuchtsaison gesehen, eher ausgeglichen.
Jungvögel halte ich gerne im Schwarm, weil Vögel in der Jugendentwicklung schneller voneinander lernen. In dieser Zeit werden sie an verschiedene Futtermittel gewöhnt, lernen Futter-, Tränkeautomaten und Badezimmer zu bedienen. Außerdem glaube ich, dass das Zusammenleben in Jugendgruppen auf das Sozialverhalten bei vielen Arten, die für besonders aggressiv gehalten werden, positiven Einfluss hat. Beim Weinroten Amarant wird gerade in dieser Zeit auch der Gesang und die Balz perfektioniert.


 

Fütterung

Das Grundfutter ist bei mir für alle Vögel gleich und ist eine überwiegend kleinkörnige Mischung aus: 20 % Senegalhirse, 20 % rote lockere Kolbenhirse, 17% mehrfarbige Mohairhirse, 10% Mannahirse, 10 % Silberhirse, 10 % Kanarienensaat, 8 % Japanhirse, 4% Grüne Hirse und 1% Wildsämereien.
Es steht immer eine Grasmischung zur Verfügung aus 80 % Knaulgras (Dactylis glomerata), 5% Wiesen-Lieschgras (Phleum pratensis), 5% Vielblütiges Weidelgras (Lolium multiflorum), 10% Wiesen-Rispengras (Poa pratensis), die auch von den Amaranten sehr gut gefressen wird.

Dazu gibt es Keimfutter (3-4Tage gekeimt) im Wechsel mit halbreifer roter Kolbenhirse, Silberhirse oder Hühnerhirse. Das Keimfutter wird 1-2x pro Woche mit Nekton MSA oder Nekton S gepudert, um vor allem hier eine zusätzliche Gabe an Vitamin D3 zu reichen.
In der Zuchtsaison gibt es täglich Aufzuchtfutter. 200-300 g von einem guten Eifutter (Proteingehalt >16,5 % z.B. VL oder CEDE für Exoten) ist die Grundlage und wird mit 50-100 g Insektenmixfutter (z.B. Claus Typ Ia Schwarz), 1 Eßl Eigelbpulver versetzt, je 1 TL Kieselerde und 1 TL Algenkalk gemischt und mit einem flüssigem Futterzusatz (z.B. Chemivit NewDefender) leicht angefeuchtet. Die Futtermischung wird nur soweit angefeuchtet, dass die Struktur noch krümelig und rieselfähig ist. Unter dieses Aufzuchtfutter wird gebeiztes animalisches Frostfutter (1/3 Pinkies, 2/3 Baffolos) gemischt. Das Frostfutter wird nachdem es leicht angetaut ist, mit Öl (vorzugsweise Weizenkeimöl) benetzt und anschließend mit einem Multivitaminpräparat z.B. Korvimin bestreut und gut vermischt. Diese Mischung wird dann unter das krümelig, feuchte Aufzuchtfutter gehoben. In der Zuchtsaison wird diese Art der Weichfutterzubereitung jeden Morgen vorbereitet und täglich in jeder Voliere angeboten. Die angebotene Menge richtet sich nach Anzahl und Alter der Jungvögel in der Voliere. Pro Zuchtpaar wird etwa 1 gehäufter TL (ca. 20g) gereicht.
Eine kleine Schale mit lebenden Baffolos wird ebenfalls täglich dazu gestellt. Ameiseneier (Frostfutter) wurden bei mir nicht gefressen und die winzigen davon springenden Heimchen waren nicht mehr als ein schöner Zeitvertreib für meine Amaranten.
Für den Kalkbedarf stehen Sepiaschalen, große Picksteine (Taubenstein) und eine Mischung aus Futterkalk, Magensteinchen und Grit allen Vögeln in der Voliere frei zur Verfügung.
Wenn die ersten Jungvögel ausfliegen, füttere ich lockere rote Kolbenhirse. Bei vielen Prachtfinkenarten ist die Kolbenhirse, die erste Hirse die Jungvögeln zur selbständigen Futteraufnahme reizt.
Trinkwasser gibt es täglich frisch, aber immer frei von allen Zusätzen, um hier nicht das schädlichen Bakterienwachstum zu fördern.


Schwarmhaltung

Eine Gruppe von 6-8 Jungvögeln des Weinroten Amaranten zusammen zu setzen, ist in der Regel problemlos. Es gibt einzelne Hähne, die im gleichen Geschlecht mehr Rivalität empfinden als man es beim Weinroten Amaranten gewohnt ist.
Deshalb sollte eine neu gebildete Gruppe für ein paar Tage unter Beobachtung stehen. In der Zucht habe ich immer nur ein Brutpaar des Weinroten Amaranten in der Voliere mit anderen Arten z.B. Papageiamadinen, Nonnen, Zwergschilffinken, Ringelamadinen, Dornastrilden oder Kubafinken zusammengesetzt.
Wenn 2 Paare in einer Voliere eingesetzt werden oder andere Amarantenarten z.B. der Senegalamarant dazu gesetzt werden, sind Streitigkeiten unter Rivalen nicht zu vermeiden.
Setzt man ein zweites Paar in einer benachbarten Voliere kann man ein etwas anderes Verhalten beobachten. Hahn und Henne des Nachbarn sitzen friedlich am Gitter nahe zusammen, während die eigentlichen Partner im Nest mit der Brut beschäftigt sind.
In der nächsten Brutsaison werde ich einmal den Versuch machen 3-4 Paare aus meiner Nachzucht in einer Voliere zu halten und bin gespannt, wie sich das Verhalten in einer Gruppe geschlechtsreifer Tiere ändert.


 

 Wohlbefinden

Sowohl in der Jugend als auch bei den geschlechtsreifen Zuchtpaaren sitzen die Amaranten zusammen und beschäftigen sich mit gegenseitiger Gefiederpflege.
Manche Hähne reißen auch schon mal gerne eine Bauchfeder bei ihren Weibchen aus. Solange dies nicht überhand nimmt, besteht kein Handlungsbedarf.
Bademöglichkeiten werden sehr ausgiebig und oft genutzt. Einzelne Tiere baden so intensiv, dass sie kaum noch flugfähig sind und dann pitschnass auf dem Boden sitzen bleiben.
Sehr oft halten sich die Amaranten auf dem Boden auf und wühlen mit dem Schnabel in der Bodenstreu nach fressbaren Insekten. Bei mir krabbeln dort vermutlich ein paar extra Baffololarven.
Die Vögel sind sehr neugierig und schon von weitem wird jede Futterschale in Augenschein genommen, die in die Voliere hineingetragen wird. In der Voliere ist der Amarant nicht sehr scheu, aber er hält eine Distanz von ca. 1 m zum Personal.